Was, wenn das Tastaturlayout, das du dein ganzes Leben benutzt, deine Finger fast doppelt so viel arbeiten lässt wie nötig?
Die meisten von uns stellen ihre Tastatur nie infrage. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das QWERTZ, eine Variante des weltweit verbreiteten QWERTY. Sie steckt im Laptop, in der mechanischen Tastatur und in fast jedem Computer, den wir je benutzt haben. Wir lernen, wo die Tasten liegen, bauen Muskelgedächtnis auf und denken irgendwann gar nicht mehr über die Anordnung nach.
Doch QWERTY ist nicht die einzige Möglichkeit. Alternative Tastaturlayouts wie Dvorak, Colemak, Colemak-DH und Workman wollen das Tippen effizienter machen, indem sie neu festlegen, welche Buchstaben unter welchen Fingern liegen.
Die Frage ist: Wie viel macht das Tastaturlayout tatsächlich aus?
Um das herauszufinden, haben wir bei The Typing Cat ein interaktives Experiment gebaut. In unserem Labor zum Vergleich von Tastaturlayouts wählst du aus mehr als 40 Layouts und stellst beliebig viele davon nebeneinander, schaust animierten Händen zu, die denselben Text tippen, und misst, wie weit sich einzelne Finger und Handgelenke bewegen.
Die Ergebnisse sind überraschend deutlich.
Die kurze Antwort
Auf demselben englischen Text mit 5.847 Zeichen brauchte jedes bekannte Alternativlayout rund 42–45 % weniger berechneten Fingerweg als QWERTY. Workman kam unter den sechs klassischen Layouts mit dem kürzesten Weg aus (84,37 m gegenüber 152,86 m bei QWERTY), Colemak legte die meisten Buchstaben auf die Grundreihe (73 %), und Dvorak wechselte am häufigsten die Hand (67 %). Weniger Bewegung heißt aber nicht automatisch schneller tippen: Für die meisten Menschen zählen Übung und Genauigkeit mehr als das Layout.
Wichtig für Leserinnen und Leser im deutschsprachigen Raum: Gemessen haben wir mit einem englischen Text. Deutsche Texte haben eine andere Buchstabenverteilung, mehr lange Wörter und dazu Umlaute und ß. Die Zahlen lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf das Tippen auf Deutsch übertragen. Im Labor kannst du aber jeden eigenen Text einfügen, auch einen deutschen.
Die überraschenden Zahlen: bis zu 45 % weniger Fingerbewegung
Wir haben sechs bekannte Layouts mit unserem Simulator für Tastaturbewegungen durch denselben englischen Text mit 5.847 Zeichen geschickt. Das ist dabei herausgekommen:
| Tastaturlayout | Fingerweg | Weniger als QWERTY | Anteil Grundreihe |
|---|---|---|---|
| QWERTY | 152,86 m | – | 36 % |
| Dvorak | 88,28 m | 42 % | 71 % |
| Colemak | 88,81 m | 42 % | 73 % |
| Colemak-DH | 87,52 m | 43 % | 66 % |
| Workman | 84,37 m | 45 % | 67 % |
| Workman Programmer | 85,73 m | 44 % | 67 % |
Quelle: Labor zum Vergleich von Tastaturlayouts von The Typing Cat. Die Werte sind berechnete Fingerwege für den Standard-Beispieltext, keine gemessenen Bewegungen echter Menschen. Der Anteil der Grundreihe ist der Anteil der Buchstaben, die getippt werden, ohne die Grundreihe zu verlassen.
Auf diesem Text braucht QWERTY insgesamt etwa 153 Meter Fingerweg. Workman kommt mit 84 Metern aus.
Das sind rund 68 Meter berechnete Fingerbewegung, die allein durch eine andere Anordnung der Tasten wegfallen.
Bevor du deine Tastenkappen aber umsortierst, ist eines wichtig: Weniger Fingerbewegung bedeutet nicht unbedingt schnelleres Tippen. Warum, sehen wir uns gleich an.
1. QWERTY: das Layout, das alle kennen
QWERTY stammt aus der Zeit der mechanischen Schreibmaschinen in den 1870er-Jahren. Seine Entwicklung wurde von den technischen Grenzen und praktischen Anforderungen dieser frühen Maschinen geprägt.
Diese mechanischen Grenzen gibt es heute nicht mehr, doch QWERTY ist weltweit der Standard geblieben.
Sein größter Vorteil ist nicht die Ergonomie, sondern die Vertrautheit. Fast jede Tastatur nutzt QWERTY oder eine regionale Variante davon. Betriebssysteme unterstützen es von Haus aus, Tastenkombinationen in Programmen sind darauf ausgelegt, und die meisten Tippkurse unterrichten es.
Die Nachteile zeigen sich, wenn man die Fingerbewegung betrachtet. In unserem Vergleich tippt QWERTY nur 36 % der Buchstaben auf der Grundreihe, Colemak und Dvorak dagegen mehr als 70 %.
Die Grundreihe ist die Reihe, auf der deine Finger in der Grundstellung ruhen: auf QWERTY ASDF für die linke und JKL; für die rechte Hand, auf der deutschen Tastatur asdf und jklö. Liegen häufige Buchstaben woanders, müssen die Finger immer wieder ihre Ruheposition verlassen.
QWERTY erzeugt außerdem relativ viele Folgen, bei denen derselbe Finger nacheinander zwei verschiedene Tasten drücken muss.
Ist QWERTY deshalb schlecht? Nicht unbedingt. Wer lange auf QWERTY übt, kann außergewöhnlich schnell werden. Muskelgedächtnis, Genauigkeit, Rhythmus und jahrelange Übung zählen oft mehr als die theoretische Effizienz eines Layouts.
Geeignet für: die meisten Menschen, gemeinsam genutzte Computer, den Einstieg und alle, die das Tippen nicht neu lernen wollen.
Und QWERTZ?
Die deutsche Tastatur ist in der Norm DIN 2137 festgelegt. Bei den Buchstaben unterscheidet sie sich von QWERTY vor allem durch die vertauschten Tasten Y und Z; dazu kommen Ä, Ö, Ü und ß, und das Ö liegt dort, wo auf QWERTY das Semikolon sitzt. Viele Sonderzeichen, die beim Programmieren wichtig sind, wie @, geschweifte und eckige Klammern, \ und |, erreichst du nur mit der AltGr-Taste. QWERTZ war in diesem Vergleich nicht dabei, im Labor kannst du es aber zusammen mit AZERTY und QZERTY auswählen. Eine Übersicht findest du auf unserer Seite zum QWERTZ-Layout.
Es gibt auch Layouts, die speziell für die deutsche Sprache optimiert sind, allen voran Neo und seine Ableger. Sie waren nicht Teil dieses Vergleichs, deshalb nennen wir hier keine Zahlen dazu.
2. Dvorak: die Tastatur von Grund auf neu gedacht
Das Dvorak Simplified Keyboard entwickelten August Dvorak und William Dealey in den 1930er-Jahren.
Statt die Anordnung von QWERTY zu übernehmen, ordnet Dvorak die Tastatur nach Buchstabenhäufigkeit und Handwechsel neu. Am auffälligsten: Die Vokale liegen links in der Grundreihe, viele häufige Konsonanten rechts. So wechseln sich die Hände bei häufigen englischen Wörtern ständig ab.
In unserer Simulation verkürzte Dvorak den berechneten Fingerweg gegenüber QWERTY um rund 42 %. Mit 67 % Handwechsel erreichte es außerdem den höchsten Wert unter den sechs Standardlayouts. Das kann einen eigenen Tipprhythmus erzeugen, bei dem linke und rechte Hand sich laufend abwechseln.
Der Haken ist die Lernkurve. Wer von QWERTY auf Dvorak umsteigt, muss einen großen Teil des Muskelgedächtnisses neu trainieren, auch die Lage vertrauter Tastenkombinationen.
Geeignet für: alle, die gern mit wechselnden Händen tippen und bereit sind, das Layout grundlegend zu ändern.
3. Colemak: effizienter, ohne alles aufzugeben
Colemak erschien 2006 mit einem anderen Ansatz: Lässt sich das Tippen effizienter machen und trotzdem einiges von QWERTY behalten?
Colemak lässt mehrere Tasten von QWERTY an ihrem Platz, darunter Z, X, C und V für die gängigen Tastenkombinationen. Ziel ist es, Fingerwege und unbequeme Tastenfolgen zu verringern, ohne dass der Umstieg so radikal wird wie bei Dvorak.
In unserem Vergleich brauchte Colemak rund 89 Meter Fingerweg, 42 % weniger als QWERTY. Den höchsten Anteil der Grundreihe unter den sechs Layouts erreichte es ebenfalls: 73 %. Fast drei von vier Buchstaben unseres Beispieltextes wurden also in der Reihe getippt, auf der die Finger ohnehin ruhen.
Folgen mit demselben Finger sanken in unserem Modell von 7,9 % bei QWERTY auf nur 1,5 % bei Colemak.
Für alle, die täglich Tausende Wörter tippen, ist das ein interessanter Kompromiss: deutlich andere Bewegungsmuster, ohne vertraute Tastenpositionen ganz aufzugeben.
Geeignet für: QWERTY-Nutzende, die ein optimiertes Layout suchen und einen vergleichsweise sanften Umstieg wollen.
4. Colemak-DH: Feinschliff für die Fingerbewegung
Colemak-DH führt die Idee von Colemak weiter. Es soll vor allem seitliche Griffwege der Zeigefinger verringern, besonders zu den mittleren Spalten einer normalen Tastatur.
Das ist wichtig, weil nicht jede Fingerbewegung gleich angenehm ist. Eine Taste kann nah am Finger liegen und trotzdem einen unbequemen Griff zur Seite verlangen.
Colemak-DH verlegt D und H an Stellen, die angenehmere Bewegungen ermöglichen sollen. Auf einer normalen, versetzten Tastatur tippt man es mit dem „Angle-Mod“: Die untere Reihe der linken Hand wird um einen Finger versetzt angeschlagen, sodass der kleine Finger nie nach unten greifen muss.
In unserer Simulation brauchte Colemak-DH 87,52 Meter Fingerweg, etwas weniger als das normale Colemak. Folgen mit demselben Finger lagen ebenfalls bei nur 1,5 %.
Zahlenmäßig wirkt der Unterschied zwischen Colemak und Colemak-DH gering. Doch viele wählen ein Layout danach, wie sich bestimmte Bewegungen anfühlen, und nicht nur nach der Gesamtstrecke.
Geeignet für: alle, die die Bewegungen von Colemak verfeinern wollen, besonders auf ergonomischen oder geteilten Tastaturen.
5. Workman: Optimierung der Fingerbewegung
Workman stellt eine einfache Annahme infrage: Reicht es, die Gesamtstrecke der Finger möglichst klein zu halten?
Das Layout berücksichtigt seitliche Griffwege und die unterschiedlichen Fähigkeiten der einzelnen Finger. Zeigefinger und kleiner Finger sind schließlich weder gleich stark noch für dieselben Bewegungen gleich gut geeignet.
In unserem Standardvergleich ergab Workman den kürzesten berechneten Fingerweg aller sechs Layouts: 84,37 Meter gegenüber 152,86 Metern bei QWERTY – 45 % weniger.
Ein beeindruckendes Ergebnis, aber es heißt nicht, dass Workman für alle das beste Tastaturlayout ist. Unser Simulator misst die Bewegung mit einem festgelegten geometrischen Modell. Beim echten Tippen zählen auch die Koordination der Finger, die eigene Technik, der Kraftaufwand, eingeübte Gewohnheiten und der Text selbst. Wie gut Workman abschneidet, hängt auch von der Sprache und der Zeichenverteilung des Textes ab – auf Deutsch kann das Ergebnis anders aussehen.
Trotzdem zeigt es eindrucksvoll, wie stark die Anordnung der Buchstaben die nötigen Bewegungen für einen Text verändern kann.
Geeignet für: Tastatur-Fans, die sich für optimierte Fingerbewegungen und alternative ergonomische Layouts interessieren.
6. Und beim Programmieren?
Beim Programmieren gelten ganz andere Maßstäbe. Code besteht aus Satzzeichen, Klammern, Zahlen, Operatoren und Sonderzeichen, die in normalem Fließtext seltener vorkommen. Ein Layout, das für Prosa optimiert ist, muss nicht ideal sein für JavaScript, Python, Rust oder andere Programmiersprachen.
Deshalb gibt es Varianten fürs Programmieren. Workman Programmer zum Beispiel übernimmt die Buchstaben von Workman, ändert aber den Zugriff auf die Zahlenreihe und die Sonderzeichen. Unser Vergleich enthält auch Programmer Dvorak.
Entscheidend ist der Text, den du tatsächlich tippst. Ein Absatz mit normalen Sätzen begünstigt andere Bewegungsmuster als Quellcode voller geschweifter und eckiger Klammern, Satzzeichen und Operatoren. Auf QWERTZ kommt hinzu, dass viele dieser Zeichen über die AltGr-Taste laufen.
Wenn du programmierst, vergleiche Layouts deshalb lieber mit Codebeispielen als nur mit Fließtext. (Wie wichtig das Tipptempo beim Programmieren überhaupt ist, liest du in unserem Artikel über Tippgeschwindigkeit beim Programmieren.)
Jenseits der Klassiker: moderne experimentelle Tastaturlayouts
Die Entwicklung von Tastaturlayouts endete nicht mit Dvorak, Colemak oder Workman. Eine wachsende Community experimentiert weiter mit Wegen, unbequeme Fingerbewegungen zu verringern und den Tippfluss zu verbessern.
Unser Vergleichslabor enthält Layouts wie Gallium, Graphite, Sturdy, Semimak, Canary und Engram. So haben sie auf demselben Text abgeschnitten:
| Tastaturlayout | Fingerweg | Weniger als QWERTY | Gleicher Finger | Handwechsel |
|---|---|---|---|---|
| Graphite | 85,41 m | 44 % | 1,0 % | 66 % |
| Gallium | 85,62 m | 44 % | 1,1 % | 66 % |
| Semimak | 90,23 m | 41 % | 0,8 % | 64 % |
| Sturdy | 90,59 m | 41 % | 0,8 % | 60 % |
| Engram | 93,90 m | 39 % | 2,8 % | 61 % |
| Canary | 95,74 m | 37 % | 1,4 % | 60 % |
Gleicher Text und gleiches Modell wie oben. „Gleicher Finger“ ist der Anteil der Tastenpaare, die mit demselben Finger getippt werden. QWERTY: 152,86 m, 7,9 % gleicher Finger, 55 % Handwechsel.
Auffällig: Bei der Strecke gewinnen diese sechs modernen Layouts nicht – Workman legt immer noch weniger zurück als sie alle. Ihre Stärke ist eine andere: Sie drücken das Tippen mit demselben Finger auf etwa 1 % oder darunter, Sturdy und Semimak sogar auf 0,8 %, ungefähr ein Zehntel des Werts von QWERTY.
Noch mehr Layouts: elf neue Kandidaten
Inzwischen haben wir dem Labor elf weitere Layouts hinzugefügt, von einem Entwurf von 2001 für konturierte Tastaturen bis zu Community-Layouts aus dem Jahr 2023. So haben sie auf demselben Text abgeschnitten:
| Tastaturlayout | Fingerweg | Weniger als QWERTY | Gleicher Finger | Handwechsel |
|---|---|---|---|---|
| Halmak | 83,14 m | 46 % | 3,1 % | 65 % |
| MTGAP | 84,40 m | 45 % | 1,5 % | 62 % |
| APT | 85,05 m | 44 % | 1,7 % | 59 % |
| Gallium Colstag | 85,66 m | 44 % | 1,1 % | 66 % |
| Nerps | 85,92 m | 44 % | 1,1 % | 65 % |
| Arensito | 87,18 m | 43 % | 1,4 % | 51 % |
| RSTHD | 87,83 m | 43 % | 1,5 % | 55 % |
| Soul | 88,24 m | 42 % | 1,6 % | 54 % |
| Hands Down Neu | 90,09 m | 41 % | 1,0 % | 68 % |
| Recurva | 96,26 m | 37 % | 0,9 % | 62 % |
| BEAKL 15 | 103,32 m | 32 % | 2,9 % | 68 % |
Gleicher Text und gleiches Modell wie oben. QWERTY: 152,86 m, 7,9 % gleicher Finger, 55 % Handwechsel.
Halmak, 2016 von einem genetischen Algorithmus entwickelt, ist das erste Layout in unseren Tests, das weniger Weg zurücklegt als Workman: 83,14 Meter, 46 % weniger als QWERTY. Mit 3,1 % liegt sein Anteil an Folgen mit demselben Finger aber deutlich über den neuesten Community-Layouts – ein Hinweis darauf, dass kurze Wege und wenig Tippen mit demselben Finger in verschiedene Richtungen ziehen. MTGAP, ein weiteres vom Computer optimiertes Layout, kommt bis auf wenige Zentimeter an Workman heran und hat dabei nur halb so viele Folgen mit demselben Finger.
Recurva und Hands Down Neu stehen am anderen Ende. Sie legen längere Wege zurück, halten Folgen mit demselben Finger aber bei etwa 1 % oder darunter, und Hands Down Neu wechselt bei 68 % der Tastenanschläge die Hand – so oft wie BEAKL 15 und öfter als Dvorak.
Einige dieser Layouts wurden für Tastaturen entworfen, die unser Modell nicht abbildet. RSTHD legt das E auf eine Daumentaste einer geteilten Tastatur, Arensito entstand für konturierte Tastaturen mit Daumentasten, und BEAKL setzt auf eine eigene Ebene für Sonderzeichen. Wir testen die Versionen ihrer Entwickler für normale Tastaturen oder nur ihre Buchstaben. Diese Zahlen sagen also mehr über die Anordnung der Buchstaben als über das ganze Konzept.
Jedes Layout aus diesem Artikel hat eine eigene Seite in unserer Übersicht der Tastaturlayouts, mit Geschichte, Vor- und Nachteilen und Statistiken auf einer größeren Stichprobe englischer Texte.
Dort findest du auch Übergangslayouts wie Minimak und Tarmak, die den Wechsel von QWERTY schrittweise gestalten, sowie regionale Layouts wie AZERTY, QWERTZ und QZERTY.
Nicht alle diese Entwürfe optimieren dasselbe. Manche setzen auf einen hohen Anteil der Grundreihe, andere auf weniger wiederholte Fingerbewegungen, angenehme Buchstabenfolgen oder eine ausgewogene Verteilung der Arbeit auf beide Hände. Genau deshalb ist es so spannend, sie direkt nebeneinander zu sehen.
Was macht ein Tastaturlayout eigentlich effizient?
Effizientes Tippen ist mehr als die Zahl der Buchstaben auf der Grundreihe. Für unser Vergleichswerkzeug haben wir uns auf mehrere messbare Eigenschaften konzentriert.
Fingerweg
Der Fingerweg ist die Gesamtstrecke, die die einzelnen Finger zwischen ihrer Grundstellung und den angeschlagenen Tasten zurücklegen. Weniger Bewegung kann auf ein kompakteres Tippmuster hindeuten. Ein kürzerer Weg garantiert aber weder weniger Ermüdung noch höheres Tempo.
Weg des Handgelenks
Die Finger bewegen sich nicht immer unabhängig von der Hand. Bei weit entfernten Tasten verschieben sich auch Hand und Handgelenk. Unser Simulator schätzt diese Bewegung mit einem geometrischen Modell, in dem die Hand dem am weitesten greifenden Finger ein Stück folgt.
So lassen sich verschiedene Layouts unter gleichen Annahmen vergleichen, auch wenn es keine direkte Messung echter Handgelenkbewegungen ist.
Anteil der Grundreihe
Die Grundreihe ist beim Zehnfingersystem die bequeme Ruheposition. Ein Layout mit hohem Anteil der Grundreihe legt häufig getippte Zeichen direkt unter die ruhenden Finger.
Bei unserem Beispieltext kam QWERTY auf 36 %, Colemak auf 73 %. Das ist ein erheblicher Unterschied darin, wie oft die Finger ihre Ausgangsreihe verlassen müssen.
Folgen mit demselben Finger
Stell dir vor, du tippst zwei aufeinanderfolgende Buchstaben mit demselben Finger, aber auf verschiedenen Tasten. Der Finger muss sich bewegen und erneut anschlagen, bevor es weitergehen kann. Unser Vergleich ergab:
- QWERTY: 7,9 %
- Dvorak: 3,2 %
- Colemak: 1,5 %
- Colemak-DH: 1,5 %
- Workman: 2,0 %
Je niedriger der Wert, desto seltener kommen diese potenziell unbequemen Folgen vor.
Handwechsel
Der Handwechsel misst, wie oft aufeinanderfolgende Tastenanschläge von einer Hand zur anderen wechseln. Dvorak setzt genau auf dieses Prinzip und erreicht in unserem Standardvergleich 67 % Handwechsel.
Andere Layouts setzen auf angenehme Folgen innerhalb einer Hand, sogenannte Rollbewegungen. Keiner der beiden Ansätze gewinnt automatisch in jeder Situation; verschiedene Menschen bevorzugen verschiedene Bewegungsmuster.
So haben wir gemessen
Jedes Layout tippt denselben Text auf derselben normalen ANSI-Tastatur mit 19,05 mm Tastenabstand. Die Finger starten auf der Grundreihe. Jeder Tastenanschlag schickt seinen Finger von seiner aktuellen Position zur Taste; tippt als Nächstes ein anderer Finger, kehrt der erste in die Grundstellung zurück. Eine Folge auf demselben Finger geht also von Taste zu Taste, alles andere ist ein Hin- und Rückweg. Großbuchstaben fügen die Umschalttaste auf der anderen Hand hinzu, die Daumen ruhen auf der Leertaste. Layouts, die für den Angle-Mod gedacht sind (Colemak-DH, Sturdy und Canary), werden auch so getippt. Das Modell ist für alle Layouts gleich, die Zahlen sind also untereinander vergleichbar – aber es sind Schätzungen, keine Messungen an echten Händen.
Probier es selbst: mehr als 40 Tastaturlayouts im direkten Vergleich
Über Fingerbewegungen zu lesen ist das eine. Ihnen zuzusehen ist viel spannender. Deshalb haben wir das Labor zum Vergleich von Tastaturlayouts gebaut.
Statt nur Diagramme zu zeigen, animiert das Werkzeug das Tippen auf mehreren Tastaturlayouts gleichzeitig. Das kannst du damit machen:
- Layouts auswählen. Wähl beliebige aus mehr als 40 Layouts, darunter QWERTY, Dvorak, Colemak, Workman und viele experimentelle Alternativen. Es werden jeweils zwölf Tastaturen gleichzeitig angezeigt.
- Text auswählen. Nimm den vorgegebenen Text oder ersetz ihn durch deinen eigenen, egal ob Fließtext oder Programmcode – zum Beispiel einen deutschen Text, um zu sehen, wie sich die Layouts mit Umlauten und langen Wörtern schlagen.
- Tempo einstellen. Stell die Geschwindigkeit der Animation ein und beobachte die Unterschiede in den Hand- und Fingerbewegungen.
- Tastaturen beobachten. Folge den animierten Händen und sieh dir die Fingeransicht oder die Heatmap der Tastatur an.
- Ergebnisse vergleichen. Vergleiche Fingerweg, Weg des Handgelenks, Anteil der Grundreihe, Folgen mit demselben Finger und Handwechsel.
Du musst auch nicht immer gegen QWERTY vergleichen: Das erste Layout, das du auswählst, ist die Vergleichsbasis.
Wichtig ist, dass jedes Layout denselben Text unter denselben Annahmen verarbeitet. So lassen sich die Unterschiede leicht nachvollziehen.
Tastaturlayouts interaktiv vergleichen →
Tippst du mit einem effizienteren Layout wirklich schneller?
Jetzt wird es interessant. Unser Vergleich zeigt, dass alternative Layouts die berechnete Fingerbewegung drastisch verringern können. Weniger Bewegung ist aber nicht dasselbe wie ein gemessener Zuwachs an Anschlägen pro Minute.
Das Tipptempo hängt von vielen Faktoren ab:
- Muskelgedächtnis und Erfahrung
- Genauigkeit und Fehlerkorrektur
- Koordination der Finger
- Vertrautheit mit häufigen Wörtern
- Tipprhythmus
- Körperlicher Komfort
- Regelmäßiges Üben
Wer seit 15 Jahren auf QWERTZ tippt, ist womöglich deutlich schneller als jemand, der erst seit ein paar Wochen Colemak übt. Ein Layoutwechsel macht dich zunächst langsamer, weil dein Gehirn neue Verbindungen zwischen Buchstaben und Fingerbewegungen aufbauen muss. Und selbst wenn du das neue Layout beherrschst, ist ein höheres Tempo nicht garantiert.
Wenn du den Arbeitstag über viele Tastenkombinationen nutzt, oft zwischen Computern wechselst oder an gemeinsam genutzten Arbeitsplätzen sitzt, ist Kompatibilität womöglich wertvoller als theoretische Effizienz.
Das beste Tastaturlayout ist nicht unbedingt das mit der geringsten Bewegung, sondern das, mit dem du in deinem echten Arbeitsumfeld genau, bequem und gleichmäßig tippst. (Mehr zum Komfort liest du in unserem Ratgeber zu Ergonomie an der Tastatur und wie du RSI vorbeugst.)
Welches Tastaturlayout solltest du wählen?
Einen klaren Sieger gibt es nicht, aber ein paar sinnvolle Ausgangspunkte.
| Dein Schwerpunkt | Layout, das sich lohnt |
|---|---|
| Größtmögliche Kompatibilität | QWERTY bzw. QWERTZ |
| Viel Handwechsel | Dvorak |
| Hoher Anteil der Grundreihe | Colemak |
| Weniger seitliche Griffwege der Zeigefinger | Colemak-DH |
| Kurzer berechneter Fingerweg in unserem Beispiel | Halmak, Workman oder MTGAP |
| Sehr wenig Tippen mit demselben Finger | Semimak, Sturdy, Graphite oder Recurva |
| Anordnungen fürs Programmieren ausprobieren | Workman Programmer oder Programmer Dvorak |
| Schrittweiser Umstieg von QWERTY | Minimak oder Tarmak |
Wenn du mit deinem Tempo und Komfort zufrieden bist, gibt es keinen dringenden Grund zu wechseln. Wenn dich Ergonomie an der Tastatur interessiert oder du gern an deinem Setup feilst, kann das Ausprobieren alternativer Layouts sich lohnen.
Und wenn du gerade das Zehnfingersystem lernst: Gute Technik und Genauigkeit zählen unabhängig vom Layout. Unsere Tippkurse funktionieren mit jedem Layout aus diesem Artikel und natürlich mit QWERTZ: Wähl dein Layout in den Einstellungen, und die Bildschirmtastatur passt sich an.
Häufige Fragen
Welches Tastaturlayout hat die kürzesten Fingerwege?
Im Layoutvergleich von The Typing Cat brauchte Halmak auf einem englischen Text mit 5.847 Zeichen den kürzesten berechneten Fingerweg (83,14 m, 46 % weniger als die 152,86 m von QWERTY), gefolgt von Norman (84,31 m), Workman (84,37 m) und MTGAP (84,40 m). Unter den sechs bekannten Layouts, die der Vergleich standardmäßig zeigt, legt Workman den kürzesten Weg zurück.
Ist Dvorak besser als QWERTY?
Dvorak brauchte auf unserem Beispieltext 42 % weniger berechneten Fingerweg als QWERTY, legte 71 % der Buchstaben auf die Grundreihe (QWERTY: 36 %) und wechselte bei 67 % der Tastenanschläge die Hand. Das ist weniger Bewegung, aber kein nachgewiesen höheres Tempo: Wer lange auf QWERTY tippt, kann genauso schnell sein, und der Umstieg kostet Wochen des Umlernens.
Was ist der Unterschied zwischen Colemak und Colemak-DH?
Colemak-DH verlegt D und H aus den mittleren Spalten, sodass die Zeigefinger seltener seitlich greifen müssen; auf einer normalen Tastatur tippt man es mit dem Angle-Mod. In unserem Modell legte es 87,52 m zurück, Colemak 88,81 m; bei beiden fielen 1,5 % der Tastenpaare auf denselben Finger.
Tippe ich schneller, wenn ich das Tastaturlayout wechsle?
Nicht unbedingt. Ein Layout kann die Fingerbewegung deutlich verringern, aber das Tempo hängt auch von Muskelgedächtnis, Genauigkeit, Rhythmus und Übung ab. Nach dem Wechsel bist du zunächst langsamer, und ein höheres Tempo danach ist nicht garantiert.
Welches Tastaturlayout eignet sich am besten zum Programmieren?
Das hängt von deinem Code ab. Layouts werden meist für englischen Fließtext optimiert, Code steckt dagegen voller Klammern, Sonderzeichen und Zahlen. Varianten fürs Programmieren wie Workman Programmer und Programmer Dvorak ändern die Zahlenreihe und die Sonderzeichen; vergleiche Layouts deshalb lieber mit deinem eigenen Code als mit Fließtext.
Was verbessern moderne Layouts wie Gallium, Graphite und Semimak?
Sie zielen vor allem auf weniger Tippen mit demselben Finger und angenehme Buchstabenfolgen, weniger auf die Gesamtstrecke. Auf unserem Beispieltext tippten Sturdy und Semimak nur 0,8 % der Tastenpaare mit demselben Finger und Graphite 1,0 %, gegenüber 7,9 % bei QWERTY – und verkürzten den Fingerweg trotzdem um 41–44 %.
Fazit: Deine Tastatur kann mehr, als du denkst
Wir tippen schon so lange auf QWERTY und QWERTZ, dass ihre Anordnung fast unvermeidlich wirkt. Das ist sie aber nicht.
Ein paar verschobene Buchstaben ändern, welche Finger die Arbeit machen. Werden mehr verschoben, kann sich grundlegend ändern, wie sich deine Hände über die Tastatur bewegen.
Unsere Simulation ergab auf dem Standardtext 45 % weniger berechneten Fingerweg mit Workman als mit QWERTY. Das beweist nicht, dass Workman alle schneller macht, zeigt aber, wie stark das Layout die Bewegungen beim Tippen beeinflussen kann.
Und jetzt kannst du diese Unterschiede selbst erkunden: Labor zum Vergleich von Tastaturlayouts bei The Typing Cat öffnen →
Vergleiche deine Lieblingslayouts, probier deinen eigenen Text aus und sieh, was passiert. Vielleicht entdeckst du, dass das Layout, das du schon immer benutzt, nicht das einzige ist, das sich lohnt.
Und egal, welches Layout du wählst: Mit dem Tipptest misst du jederzeit dein Tempo und wirst mit The Typing Cat immer besser.




